Industrielle Steuerungs- und Automatisierungssysteme sind längst ein bevorzugtes Ziel von Cyberkriminellen. Produktionsausfälle, Manipulation von Prozessdaten oder sogar Gefährdung von Menschenleben können die Folge sein. Wer OT-Sicherheitsprojekte plant, braucht deshalb einen strukturierten Ansatz, der technische, organisatorische und rechtliche Aspekte verbindet – von der Risikoanalyse bis zu vertraglichen Regelungen mit Dienstleistern und Lieferanten.
Ohne eindeutige Zuständigkeiten bleibt OT-Sicherheit Theorie. Unternehmen sollten zwischen IT und OT klare Rollen festlegen, Verantwortliche benennen und Entscheidungswege dokumentieren. Dazu gehören unter anderem:
Je früher diese Rollen definiert sind, desto reibungsloser lassen sich Sicherheitsanforderungen in bestehende Abläufe, Wartungsfenster und Investitionspläne integrieren.
Viele Produktionsbetriebe kennen nicht alle Komponenten in ihren Netzen. Für einen wirksamen Schutz benötigen Sie ein vollständiges Inventar aller Assets:
Nutzen Sie passive Scans, vorhandene Dokumentation und Interviews mit dem Betriebspersonal. Schulen Sie Mitarbeiter, Veränderungen konsequent zu melden, damit das Asset-Inventar dauerhaft aktuell bleibt.
Nach der Erfassung aller Systeme folgt die Bewertung der Risiken. Diese sollte nicht nur technische Schwachstellen, sondern auch wirtschaftliche Auswirkungen betrachten. Typische Fragestellungen sind:
In vielen Fällen ist die Zusammenarbeit mit internationalen Beratungsunternehmen oder Herstellern notwendig. Verträge, Lastenhefte und technische Dokumentationen müssen dabei häufig in mehreren Sprachen vorliegen. Eine übersetzung mit beglaubigung unterstützt Sie dabei, rechtssichere und präzise Dokumente für weltweite Partner, Behörden und Zertifizierungsstellen bereitzustellen.
Ein zentrales Element moderner OT-Sicherheit ist die Segmentierung der Netze. Ziel ist es, funktionale Bereiche abzutrennen, um Angriffe zu verlangsamen und Schäden lokal zu begrenzen. Dazu gehören:
Segmentierung ist oft mit Umbauten im Netzwerk verbunden, zahlt sich aber mehrfach aus: Besserer Überblick, einfache Isolierung kompromittierter Systeme und ein klarer Rahmen für zukünftige Erweiterungen.
Fernwartung ist aus der Industrie nicht mehr wegzudenken, gleichzeitig aber ein sehr beliebter Angriffsvektor. In der Praxis sollten Unternehmen:
Servicepartner und Lieferanten müssen vertraglich auf diese Sicherheitsvorgaben verpflichtet werden. Dazu gehört, dass auch deren eigene Sicherheitsprozesse und Qualifikationen regelmäßig überprüft werden.
Produktionssysteme bleiben oft über viele Jahre im Einsatz. Umso wichtiger ist eine saubere Grundkonfiguration. Dazu zählen:
Beim Härtungsprozess sollten Richtlinien und Templates erstellt werden, damit neue Systeme von Anfang an sicher aufgesetzt werden und keine individuellen „Sonderwege“ entstehen.
In der OT ist Patchen komplexer als in der klassischen IT, weil jedes Update die Verfügbarkeit und Sicherheit von Prozessen beeinflussen kann. Ein praktikables Patch-Management umfasst:
Legacy-Systeme, für die es keine Updates mehr gibt, benötigen zusätzliche Schutzmaßnahmen wie strikte Isolation, spezielle Firewalls, Protokollfilter und streng überwachte Zugänge.
Wer seine Anlagen schützen will, braucht frühzeitige Erkennung von Angriffen und ein klares Vorgehen im Ernstfall. Dazu gehört:
Wird ein Vorfall entdeckt, müssen Verantwortlichkeiten klar sein: Wer darf Anlagen stoppen, wer informiert das Management, wer kommuniziert mit Kunden und Behörden? Eine geübte Incident-Response-Organisation kann den Unterschied zwischen kurzer Störung und langem Produktionsstillstand ausmachen.
OT-Sicherheit endet nicht am eigenen Werkstor. Komponenten, Software-Updates und Services stammen häufig von internationalen Herstellern und Dienstleistern. In der Praxis sollten Sie:
So stellen Sie sicher, dass auch externe Partner ein vergleichbares Sicherheitsniveau einhalten und potenzielle Risiken in der Lieferkette minimiert werden.
Technische Maßnahmen allein reichen nicht. Bediener, Instandhalter, Planer und externe Dienstleister müssen verstehen, wie ihre tägliche Arbeit die Sicherheit beeinflusst. Sinnvolle Maßnahmen sind:
Eine gelebte Sicherheitskultur reduziert Fehlbedienungen, erleichtert die Umsetzung technischer Maßnahmen und sorgt dafür, dass Sicherheitsvorgaben im Alltag nicht als reine Bürokratie wahrgenommen werden.
Die Absicherung industrieller Anlagen ist ein laufender Prozess und kein einmaliges Projekt. Unternehmen, die systematisch vorgehen – von Rollenklärung und Asset-Inventar über Segmentierung, Härtung und Patch-Management bis hin zu Monitoring, Lieferkettensicherheit und Schulung – erhöhen ihr Schutzniveau deutlich.
Wichtig ist, pragmatisch zu starten: Zuerst die kritischsten Anlagen identifizieren, schnelle, wirkungsvolle Maßnahmen umsetzen und diese konsequent ausbauen. So entsteht ein Sicherheitskonzept, das sich an den tatsächlichen Risiken orientiert, im täglichen Betrieb funktioniert und künftige regulatorische Anforderungen bereits heute berücksichtigt.